Vom Reiz des kalten Wassers
- Kathrin

- 17. Mai
- 3 Min. Lesezeit

"15,5 Grad Wassertemperatur", sagt das Schild am Eingang. "Inzwischen könnten es auch schon 16 Grad sein", sagt die Kassiererin. Och, dann geht's ja.
Nur wenige Kilometer weiter wartet das Joggeli mit seinen angenehmen 24 Grad Wassertemperatur. Aber auch mit Horden von Schwimmerinnen, die sich in den Bahnen mit den Flossen auf die Nasen hauen. Das Eglisee ist eh meine Lieblingsbadi und hier werde ich heute Platz haben. Ganz viel Platz.
An diesen ersten Öffnungstagen hat das Bad eine ganz besondere Stimmung. Vereinzelte Familien sind da, die Kinder toben durch das riesige Gelände und das fast leere Nichtschwimmerbecken. Am Schwimmerbecken sitzen zwei Frauen, wir plaudern ein wenig. So lange das Wasser kalt und das Bad leer ist, reden die Badegäste viel miteinander, auch wenn sie sich nicht kennen. Es ist die Gemeinschaft derer, die ihr Freibad so sehr lieben, dass ihnen die Temperatur egal ist. Bei Regen ist es genauso. Ich mache mich fertig, tänzle dreimal um die kalte Dusche und beschließe, das ist genug geduscht. Los geht's.
Das Wichtigste beim Schwimmen im kalten Wasser: Rasch rein. Erst bis zum Bauch, tief durchatmen und dem Körper einen Moment Zeit geben, um sich an die Kälte zu gewöhnen. Und dann sofort abtauchen. Je länger man zaudert und zögert, umso kälter wirkt das Wasser und umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man wieder rausgeht. Oder sich quiekend zum Frosch vor den eiserprobten Rentnern macht. Und wer will das schon.
Ich kraule los. Die erste Bahn ist hart. Die ungewohnte Kälte verengt die Lunge und schmerzt auf der Haut. Zwei, drei Bahnen später ist das Schlimmste überstanden. Ich finde in meinen Rhythmus, die Muskeln heizen, der Kopf wird klar. Ich bin allein im Becken. Niemand, auf den ich achten muss. Nur ich und das Wasser. Etwas Schöneres gibt es für eine Schwimmerin nicht.
So klingt Schwimmen im kalten Wasser:
Während ich schwimme, denke ich an die Extremschwimmerin Nathalie Pohl und daran, wie sie auf ihrem Weg zu den Ocean's Seven 34 Kilometer durch den Nordkanal geschwommen ist. Nachts um drei ist sie losgeschwommen, bei 14 Grad, umgeben von Haarquallen. Es ist beeindruckend, was der menschliche Körper leisten kann. Es ist also nicht besonders beeindruckend, durchs Eglisee zu zirkeln, 50 Meter von der heißen Dusche entfernt und bewacht von einem eigenen Bademeister, der sichtlich schon aufregendere Tage hatte.
Für mich sind die kalten Freibäder eine wichtige Vorbereitung fürs Freiwasser. Nach Monotonaten in der Halle, bei immergleichen Bedingungen, lerne ich meinen Körper wieder besser kennen. Hier kann ich experimentieren. Wie lange halte ich es aus? Wie reagiert mein Körper? Wann ist der kritische Punkt erreicht? Wenn der Beckenrand immer in Reichweite ist, kann ich weiter gehen. Im Freiwasser muss ich die Signale meines Körpers deuten können, auch wenn ich keine extremen Strecken mache. Es geht erstaunlich lange gut, doch dann werden meine Züge ungleichmäßig und fahrig. Bahn für Bahn merke ich, wie meine Kraft nachlässt. 45 Minuten bin ich im Wasser, genug für heute.
Als ich aus dem Becken steige, macht sich am Rand ein Triathlet zum Schwimmen bereit. Er ist übermütig, aufgekratzt. Ich feuere ihn an, applaudiere, als er im Wasser ist. Kaltes Wasser macht gute Laune. Sich überwunden zu haben sorgt für ein großes Glücksgefühl, größer noch als das normale Swimmer's High. Jetzt noch eine heiße Dusche und eine heiße Ovi. Und alles ist gut.
Ich erinnere mich dunkel an ein Bad im Wohlenberger Wiek (das gehört zur Ostsee), da hatte das Wasser 13 Grad. Schwimmen konnte ich da noch nicht....
Viele Grüße,
Frank Berno