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Sieh, was Dein Körper alles kann


Das ist ein aktuelles Foto von mir. Im Badeanzug. Und glaubt mir, es hat Mut gekostet, es im Internet zu posten. Ihr Frauen kennt das. Der Blick geht immer zuerst auf die Oberschenkel, auf den Bauch. Auf die Stellen, wo etwas "quillt", etwas "zu viel" ist oder "zu wenig". Die Zweifel kommen: Kann ich das posten? Sehe ich darauf aus wie eine Schwimmerin oder wie der Moppelhase?


Ich erlebe es täglich im Laden, wenn Kundinnen, die absolut hinreißend aussehen in dem Bikini, den sie gerade anprobieren, skeptisch die Augenbrauen hochziehen. Ich höre Sätze wie "Das kann ich mit meiner Figur nicht tragen" oder "Das kann ich in meinem Alter nicht mehr tragen". Einen Badeanzug zu kaufen, ist für viele Frauen der pure Stress. Ein Kleidungsstück mit einem minimalen Textileinsatz soll alles verhüllen, was uns an uns nicht gefällt. Ich verrate Euch kein Geheimnis: Das kann er nicht.


Ich will Euch nicht langweilen mit den Gründen, warum wir Frauen mit unseren Körpern unzufrieden sind. Ihr kennt sie eh alle. Ihr habt sie tausendfach gelesen und gesehen, in Frauenzeitschriften, bei Social Media und in den Dokus über Menschen, die mit Disziplin oder einem Chirurgen ihren Körper zu dem machen wollen, was er nie sein wird: perfekt.


Stattdessen möchte ich Euch eine Frau vorstellen, die ich total bewundere: Adele Benson aus Bristol. Adele ist eine ganz normale junge Frau. Und sie ist Ultra Marathon Schwimmerin. Unter anderem hat sie am 11. Juni 2024 den Ärmelkanal durchschwommen, 15 Stunden und 13 Minuten hat sie für ihre Strecke von rund 34 Kilometern gebraucht. Los ging es um 3 Uhr morgens bei 8 Grad Luft- und 13 Grad Wassertemperatur. So sieht Adele aus.






Wie gesagt: eine ganz normale Frau. Mit einem Körper, der nach gängigen Klischees nicht so wirkt, als könne er diese unglaublichen Leistungen vollbringen. "Man muss nicht „wie ein Schwimmer aussehen“, um sich selbst als solchen zu bezeichnen. Wer schwimmt, ist ein Schwimmer", schreibt Adele in einem Blogbeitrag. Und damit hat sie so verdammt recht.


Sobald ich im Wasser bin, ist es mir völlig egal, wie mein Körper aussieht. Im Wasser muss er funktionieren, nicht hübsch sein. Und das tut er zuverlässig. Er trägt mich Kilometer um Kilometer durchs Wasser. Er schwimmt durch hohe Wellen und gegen Strömungen. Manchmal bockt und ziept er ein wenig. Aber gleichzeitig kann er erstaunliche Reserven mobilisieren, wenn es darauf ankommt.


Als Belohnung fordert er Essen. Und zwar Pommes, Nudeln oder Pizza. Keinen kleinen Salat und auch keinen Proteindrink. Entgegen dem Ratschlag aller Ernährungsberaterinnen bekommt er die auch. Seine Fettpolster wird er dadurch nicht verlieren. Ja mei. Ich hatte nie einen perfekten Körper und ich werde ihn nie haben. Aber ich habe einen Körper, der mit mir tolle Dinge macht. Der sich für mich anstrengt und der mit mir genießt. Wir sind ein verdammt gutes Team, mein Körper und ich. Das ist es, was zählt.


Sieh, was Dein Körper alles kann. Er arbeitet so selbstverständlich für Dich, den ganzen Tag. Vielleicht hat er Kinder zur Welt gebracht. Vielleicht hat er eine Krankheit besiegt. Bestimmt hat das Leben Spuren an ihm hinterlassen. Und sicher hat er Dir schon oft verziehen, wenn Du ihm eigentlich zu viel zugemutet hast. Dein Körper ist ein Wunderding. Verurteile ihn bitte nicht dafür, dass er an manchen Stellen nicht so aussieht, wie Du ihn Dir wünschst.


Du brauchst Deinen Körper nicht zu verstecken. Er hat keine Problemzonen, die Du "kaschieren" musst. Es ist einfach Dein Körper. Und wenn Du nicht stolz auf ihn sein kannst, sei zufrieden mit ihm. Das genügt.






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